Wissen erlangen heißt nicht zwangsläufig verstehen
Das Streben des Menschen zu esoterischem Wissen, oder der Partizipation an einem esoterischen Konzept ist recht unermeßlich. Bereits in schamanistischer Urzeit versuchten die Menschen, ihre Geisteskraft zu schulen und das Verständnis für kosmische, tiefere Zusammenhänge zu stärken. Mit dem Entstehen von komplexeren gesellschaftlichen Systemen jedoch wurde solches Wissen oftmals nur noch bestimmten Personenkreisen vorbehalten, und das Konzept von Esoterik konnte sich in dieser Form halten.
Methoden wie das chinesische I Ging sind zwar durchaus jedem Menschen zugänglich, aber nicht allen auch verständlich. Eine Offenheit des Geistes wird dabei vorausgesetzt und für nötig befunden, um sich mit neu gemachten Erfahrungen überhaupt abfinden zu können. Ebenso haben das Qi-Gong und verwandte Systeme, so die japanischen Zen-Schulen und ihre verschiedenen Lehrrichtungen eine tiefe esoterische Komponente. Es wird zum einen die Offenheit der Schüler erwartet, sich mit den neuen Erkenntnissen überhaupt auseinandersetzen zu können, andererseits verlautet außerhalb der spezifischen Kreise selten etwas über neue Erkenntnisse und Meinungen.
In der Neuzeit wurde solche Esoterik zunehmend offener für Außenstehende, was jedoch keineswegs auch ein Verständnis von dieser Seite bedingte. So kennt man zwar heutzutage zum Beispiel selbst im Westen die japanischen Zen-Koans, ein tiefergehendes Verständnis ihrer Funktion oder Lösung sucht man jedoch vergeblich. Europäische Esoterik erfordert ebenfalls ein Hineinversetzen in die neu erlernten Methoden des Geisteswissens, andernfalls kann ein Verständnis bestenfalls nur lückenhaft und unvollständig erfolgen. Das bekannte Tarot zum Beispiel wird oftmals praktiziert, von Laien interessiert betrachtet und gelegentlich mit den nahezu überall erwerbbaren Tarotdecks nachgeübt, ein tieferes Verständnis der Philosophie des Tarots bleibt dabei jedoch häufig aus.
So bleibt festzuhalten, dass es nicht nur damit getan ist, sich für eine esoterische Methode und Lehrrichtung zu interessieren, es muss auch ein innerer Wille vorhanden sein, damit der Ausübende das neu erworbene Wissen richtig zu nutzen und zu verstehen weiß. Wenn dies nicht gegeben ist, sind Mißverständnisse unausweichlich.
