Von Sitten und Un-Sitten

Sitten sind anders als Rituale, doch sie regeln das soziale Leben in einer Gemeinschaft genauso wie diese. Sitten haben etwas mit Moral zu tun, mit 'Benehmen'. Tischsitten, Höflichkeit, Verhaltensregeln – sie alle regeln ein friedliches Miteinander, das auf Respekt aufbaut. Man kann sie auch Umgangsformen oder Manieren nennen.

Sitten lernt man durch Erziehung. Eltern geben die 'Benimmregeln' an ihre Kinder weiter, die so von früh an lernen, sich in bestimmten Gesellschaftsformen auf eine bestimmte Art zu verhalten, damit sie sich unauffällig einordnen können. Sittenwidrig hingegen verhalten sich Menschen, die gegen 'die gute Sitte' verstoßen, absichtlich oder unbeabsichtigt. Für größere dieser 'Delikte' gibt es sogar die so genannte Sittenpolizei. Und im Verkehr gibt es auch eine Verkehrssitte.

Der gute Benimm Mitte des 15. Jahrhunderts wurde von Erasmus von Rotterdam das erste Benimmbuch geschrieben. Es gilt als der Vorläufer aller folgenden Verhaltensbücher. Der deutsche Schriftsteller Adolph Freiherr von Knigge brachte dann Ende des 18. Jahrhunderts die Benimmregeln heraus, die wir heute noch kennen. Sie werden in drei Teile aufgeteilt: Den Umgang mit Menschen, mit sich selber und 'verschiedener Gemütsarten'.

Dem Benehmen wird heute im privaten Bereich weniger Bedeutung beigemessen und im Zeitalter der anti-autoritären Erziehung weitgehend unterlassen. Doch im Geschäftsleben und Beruf ist es unumgänglich, Verhaltensregeln und Benehmen an den Tag zu legen, wenn man erfolgreich sein möchte. Benehmen zeugt von Respekt und Achtsamkeit dem anderen gegenüber. Auch die Kleidung fällt unter Sitte. Neue Technologien lassen ganz neue Sittenregeln aufkommen (Handy etc.), da sie die Öffentlichkeit betreffen.